# 070 Veranda CBS ’66

No 070 Veranda CBS ’66

Strat & GoldtopIn Ermangelung der nötigen Geldreserven für’s Original hab ich mir letztes Jahr meine Traum Les Paul – eine ’56er Goldtop mit Bigsby (Veranda Goldrush) –  schlicht und ergreifend selbst gebaut. Im gut sortierten Gitarristen-Haushalt sollte allerdings auch die abgeschraddelte alte Sunburst-Strat nicht fehlen. Deshalb gibt es jetzt auch die Veranda CBS – eine Stratocaster mit 4-Punkt Halsverschraubung und großer Kopfplatte, wie sie von Fender in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre angeboten wurde. Die Les Paul kam zwar schon 1952 auf den Markt, hat aber noch vier Jahre gebraucht, bis alle Kinderkrankheiten ausgemerzt waren und sie somit zu einem brauchbaren Bühneninstrument wurde. Anders die Stratocaster!

Leo Fenders Stratocaster

Leo Fender hat sie 1954 der Öffentlichkeit in perfektem Zustand präsentiert! Sie wird mittlerweile seit 66 Jahren nahezu unverändert gebaut und ist bis heute die beliebteste und meistverkaufte (und -kopierte) E-Gitarre der Welt! Welches andere technische Gerät aus den 1950ern kann das noch von sich behaupten? Mir fällt da spontan nichts ein. Die Strat war von Anfang an perfekt in Form, Handhabung und Klang! Darum sind auch die Preise für Originale aus den ersten 15 Fertigungsjahren in der Regel mindestens 5-stellig.

Die Veranda CBS ’66

Stratocaster mit VOX ampNeben den verschiedenen Repliken aus dem Fender Custom Shop gibt es mittlerweile auch einen absolut unüberschaubaren Markt an Stratocaster-Einzelteilen in sämtlichen optischen „Gebrauchsstadien“. Mir ist vor einiger Zeit ein gut gemeintes „Projekt“ in ebay aufgefallen, dass zumindest aus einem hochwertigen Hals und Body zu bestehen schien. Die Anbauteile waren weniger toll. Nachdem ich die Sachen ersteigert hatte, war ich absolut begeistert! Ein Traumhals mit stehenden Jahresringen und sehr dunklem Palisandergriffbrett – so muß es sein! Es war ein sogenanntes „Spagetti-Logo“ angebracht, dass es auf großen Kopfplatten so nie gab. Egal. Ich hab’s weitestgehend entfernt. Es sollte ja keine Fälschung werden! Der Hals wurde von mir nitrolackiert und mit noch vorhandenen  „Single-Line-Kluson-Mechaniken“ aus den 60er Jahren versehen! Der Body war (zumindest auf der Vorderseite) in einem absolut authentischen leicht verblassten Sunburst lackiert und hatte auch korrekte Fräsungen, wenn auch mit Abschirmlack vollgepinselt! Fender NeckplateBei meiner Recherche war ich dann schon erstaunt, dass man mittlerweile ganz offiziell von einem deutschen online-Händler korrekte Halsplatten mit „F“ und Seriennummer und auch Tremolos mit „Fender Pat. Pend.“ geprägten Sätteln mit Inch-Gewinden erstehen kann. Hals- und Mittelpickup sind von Harry Häussel aus dem Schwabenland, der Bridge PU ist ein NoWaxx von Martin Hornauer aus Niederbayern! Klingen und miteinander harmonieren tut dieser schwäbisch-bayerische Mix unglaublich gut in meiner fränkischen Strat! Neben den vergilbten Plastikteilen, dem Alu-Shield, den CTS Poties, den stoffummantelten Kabeln sei auch noch auf den originalen alten Ton-Kondensator von Fender verwiesen. Das ganze mit viel Liebe montiert und künstlich aufs Jahr 1966 gealtert ist eine grandiose Strat entstanden, die den Vergleich mit alten Originalen standhält! Ich durfte während meiner 25-jährigen Zeit als Gitarrenhändler schon ein paar in Händen halten! Wer’s nicht glaubt, kann gern mal vorbeischauen und sich überzeugen lassen. Ach ja: Damit auch künftig kein Unfug mit der Axt getrieben werden kann, findet man bei abgeschraubtem Hals nicht die erwarteten Datumsstempel, sondern lediglich das „Veranda“ Branding.

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