# 074 Veranda Panam

No 074 Veranda Panam

 

Veranda Panam Guitar with Lipstick Pickups

Panam und Pandemie

Als ich die Idee zu dieser Gitarre hatte, gingen grad so die ersten Meldungen über einen weiteren Virus in China durch die Medien. Ich hab das, wie wohl alle Nichtchinesen, zur Kenntnis genommen und umgehend in die „Betrifft-mich-nicht-Schublade“ gesteckt. Jetzt,  zehn Wochen später (Mitte März 2020), ist die Gitarre fertig und fast weltweit  der Notstand verhängt. Was für ein Wahnsinn! Nachdem ich erst mal zwei Tage gebraucht hab, um den Ernst der Lage einigermaßen zu begreifen, beginn ich jetzt langsam, der neuen Situation auch positive Seiten abzugewinnen. Die häusliche Isolation und die nahezu komplette Entschleunigung des Alltags verändern die Sichtweise auf’s Leben. Großmäuler wie Trump, Johnson und Bolsonaro demaskieren sich selbst durch ihre Inkompetenz. Dinge wie Fußball, Kreuzfahrten oder Flugreisen (mal schnell zum Besaufen für 39,- Euro nach Malle fliegen) offenbaren ihre ganze Unwichtigkeit bzw. Dekadenz. Die Luft über China war seit 50 Jahren nicht mehr so sauber wie jetzt und an der italienischen Küste sieht man wieder Delfine schwimmen. Und die Menschen rücken (zumindest im Geiste) näher zusammen. Jedes Unglück birgt auch Chancen in sich. In dieser Situation jetzt eine Gitarre zum Thema „Fliegerei“ vorzustellen, seh ich jetzt mal als Herausforderung.

Panam – eine amerikanische Ikone

Da die legendäre Fluggesellschaft Panam nicht nur einen fulminanten Aufstieg, sondern auch einen unrühmlichen Absturz hingelegt hat, passt das Thema dann doch auch wieder irgendwie  in die Zeit. 1927 in NewYork gegründet, ab 1950 Transatlantikflüge, 1964 die Beatles (Foto by Bill Ray / Time Life Pictures) erstmalig in die USA und wieder zurück gebracht und bis zum Untergang 1991 Inbegriff des luxeriösen  „Jetten“ um die Welt! Bevor sich die Stones ihre eigene Boing 767 leisten konnten, waren sie ebenfalls mit Panam unterwegs (siehe Fotos unten).

Auch von Led Zeppelin gibt es ein berühmtes Foto nach ihrer Landung in Honolulu 1969 (by Robert Knight, Archive Redferns/Getty Images) mit Panam Flieger im Hintergrund.

UNITED STATES – MAY 12: HONOLULU Photo of LED ZEPPELIN, L-R: John Bonham, Robert Plant, John Paul Jones, Jimmy Page – group shot, posed – arriving at Honolulu Airport, holding Led Zeppelin II master tapes (Photo by Robert Knight Archive/Redferns)

Und um das Thema Düsenjet und Rock’n’Roll noch etwas zu vertiefen, sollten  noch zwei Dinge nicht unerwähnt bleiben: Der Drummer  Tico Torres von „Bon Jovi“ ist im Zweitjob auch noch seit vielen Jahren Pilot des Tour-Jets, einer britischen BAC 1-11. Das find ich schon bemerkenswert! Noch eine Spur cooler allerdings ist Bruce Dickinson, Sänger von Iron Maiden: Auch er fliegt den Tourflieger selber, allerdings mittlerweile eine riesige Boeing 747, nachdem die umgebaute 757 zu klein wurde! Der Iron Maiden Jet heißt übrigens standesgemäß „Ed Force One“! Ein musikalisches Denkmal hat dem „Jet Airliner“ außerdem die „Steve Miller Band“ 1977 gesetzt. Da die Fliegerei damals noch was Exotisches und den Berühmten und Reichen vorbehalten war, hat man sich auch über CO2-Ausstoß absolut keine Gedanken gemacht. Die Flugzeugdichte um die Erde vor Corona war allerdings definitiv viel zu hoch! Aktuell befinden sich die allermeisten Flugzeuge am Boden, was sich aber vermutlich mal wieder ändern wird. Meine Hoffnung für die Zukunft wäre aber schon, dass man es deutlich einschränken wird, profane Artikel des alltäglichen Lebens und Grundnahrungsmittel, die man auch problemlos vor Ort erzeugen könnte, aus reiner Profitgier ständig um die halbe Erde zu fliegen! Oder nicht mehr zum Besaufen mal übers Wochenende für 39,- Euro nach Malle zu „jetten“….

Zur Gitarre

Wie schon bei meiner Jever Gitarre hab ich mich wieder mal für die „Mosrite“ – Form entschieden. Korpus und Hardware hab ich einer alten Danelectro Hodad entnommen. In diesem Fall steht das „D“ auf dem Tremolo aber selbstredend für „Düsen-Jet“! Der gesamte Korpus wurde, wie früher die Außenhäute von Flugzeugen, mit Aluminium beschichtet. Die Nähte der Aluelemente verlaufen parallel zu den Doppel-Lipstick-PUs. Am Korpus entdeckt man außerdem ein originales Abzeichen, das einst die Uniform einer adretten Panam-Stewardess zierte („Junior Clipper Stewardess“)! Dazu passend findet man den „Junior Clipper Pilot“ auf der Kopfplatte. Der noble Ahornhals hat ein eingefasstes Rosewoodgriffbrett mit vornehmen Trapez-Inlays. Das auf den Fotos  zu sehende Flugzeugmodell ist übrigens eine  legendäre Boeing 707. Mit so einem Exemplar wurden auch die Beatles 1964 nach Amerika geflogen…

 

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